Sound und wilde Hefen


Wein ein Naturprodukt? Nein. Er wird der Natur abgerungen, ist ein Kind der Zivilisation, der (Agri)Kultur. Und mittlerweile der Food-Industrie? Meist ja. Wir leben die Gegenbewegung: Wein als kulturelles Konzept. Dazu gehört für uns eine alkoholische Gärung ohne den Zusatz gezüchteter Hefen, mittlerweile seit über 20 Jahren. Das Institut für Mikro-biologie der Uni Mainz Mikrobieller Gärverlauf hat unsere Spontangärung er-forscht und dabei keine - laut Lehrbuch unumgängliche - saccaromyces cere-vesiae gefunden, dafür aber nebeneiner Vielzahl von Mikroben eine bisher unbekannte Hefe entdeckt. Und nebenbei noch zwei bislang nie gefundene Bakterien. unbekannte Acetobacter Wilde Hefen haben deutlich weniger Power wie ihre Laborverwandschaft. Oft gärten unsere Weine nicht so weit, wie wir es uns gewünscht hätten. Da wir im Studium gelernt haben, dass Kühe bei der Musik von Heavy Metal weniger und bei Mozart mehr Milch geben, reifte Ende der 90er Jahre die Idee einer Klanginstallation. die Klangröhren Ange-lehnt an die aeolischen Harfen im alten Griechenland generiert der Wind einen Sound in einer großen Panflöte, der mit seinen extrem niedrigen Fre-quenzen in das Innere der Fässer vordringt und den Mikroben fruchtbare Impulse gibt. Als Gegenpol fließt gleichzeitig Grundwasser der Mosel durch den Keller und komplettiert somit das Energiefeld zwischen Apollon und Dionysos, zwischen Feng und Shui. Nicht das Fließen des Wassers sondern sein Blubbern im Gärröhrchen bildet den Gegenspieler zur Panflöte in unser-er Komposition »Vom Klang der Schiefer«. Ein spannendes Hörerlebnis irgendwo zwischen dem Soundtrack von Kapitän Nemo, Gregorianik und tibetanischer Meditation. Die CD kann im Weingut ( webshop) für 9,50 Euro erworben werden.